England …eine fremde Kultur

•1. Oktober 2009 • Schreibe einen Kommentar

Gerade mal zwei Wochen sind jetzt vergangen seitdem ich hier angekommen bin und habe bereits einiges über diese fremde Kultur gelernt, zb. dass der Weichspüler die Wäsche wirklich samtig weich hinbekommt, schmutzige Wäsche wird damit aber trotzdem nicht sauberer. „Was solls, hast du halt mal daneben gegriffen kann ja jedem passieren.“ Ja, schon, die meisten stehn dann aber nicht mit einem 2 Jahresvorrat an Weichspüler da. Dabei hab ich extra jedes auch noch so kleingedrucktes Wort auf der Verpackung durchgelesen und da stand NIRGENDS Weichspüler drauf. Aber immerhin, es war ein sensationell günstiges Angebot. Auf der Internetseite der Firma hab ich dann erfahren dass es ein Weichspüler ist und diese Verwechslung ist nur die Letzte von einer ganzen Kette, die gleich am ersten Tag begonnen hat.

Ich fang mal mit den Lebensmitteln an:  Das erste Brot was ich mir gekauft habe war das indische Naanbrot. Das Brot hat einfach nur komisch geschmeckt, irgendwie fad und langweilig und nach den ersten paar Bissen hab ich das Zeug freudlos zerkaut und gegessen, das einzige was man da geschmeckt hat war der Knoblauch (war ja auch die Knoblauchvariante).
Gut, dann wollte ich die Verpackung weghaun und mein Blick streifet eine Bedienungsanleitung: „Erhitzen sie das Backrohr auf…“

Hey aber das kann jedem mal passieren! Gut, mir gleich 2 mal aber beim zweiten Mal hat das Brot schon fast nach was geschmeckt!

Bei Getränke muss man übrigens auch scharf aufpassen! Ich habe mir einen Liter Apfel & Johannisbeerensaft gekauft und nach dem ersten Schluck hat sich mein Mund zusammen gezogen als hätte ich gerade in eine Zitrone gebissen. Nur war der Saft nicht sauer sondern das Süßeste was ich in meinem Leben bisher gekostet habe. Nachdem ich durstig war, ich nichts anderes zu trinken dabei hatte und ich dazu noch die Süßigkeitenabteilung bewundern durfte hab ich mir gedacht: „Hey, die Briten lieben süßes Zeug, da musst du dich daran gewöhnen, also fang an dich anzupassen“ Gut, ich habe angefangen michanzupassen…

Ihr wisst doch wie man Hochprozentiges drinkt: reinkippen runterschlucken, fertig. Genau das hab ich auch gemacht und am Ende konnte ich es sogar schon  fast ohne abzusetzen trinken. Nachdem ich die Flasche ausgetrunken habe und sie wegwerfen wollte …richtig… fiel mein Blick auf das Etikett, genaugenommen auf ein (für meinen Geschmack zu) kleingedrucktes Wort: „concentrated“ Aber egal nach der ersten Hälfte hab ich sowieso nichts mehr geschmeckt, wäre ich in Indien dann wäre dass ein Genozid an meinen Geschmacksknospen gewesen, so hatten die wenigstens nur einen Zuckerschock.
„Hey das kann doch jedem mal passieren“ das stimmt ausnahmsweise! Alle Österreicher/Deutsche die ich kenne (und in England studieren) ist genau das gleiche passiert. Fairerweise haben sie mir dieses Erlebnis nicht ersparen wollen.

Eine Person meinte nach meinem Bericht, dass sie sich jetzt ganz sicher ist, dass ich das Studium erfolgreich abschließen würde, schließlich war ich auch hartnäckig genug 1 Liter konzentrieren Apfel/Johannisbeerensaft zu trinken.
ok… das könnte man jetzt so oder so interpretieren…

England hat ja den zweifelhaften Genuss den Ruf zu haben, ein sehr sehr teures Urlaubsland zu sein, was das wohnen angeht da kann ich zustimmen. Die Lebensmittel dagegen sind teilweise extrem billig günstig. Red Bull (250ml) ist gut 50 Cent billiger als in Österreich (2 Liter vorrat liegt bereits im Eiskasten), 800g Toastbrot kosten 47 Pence. 6 Apfeldonuts (vergleichbar mit den Krapfen) kosten 65 Pence und haben in etwa 2/3 der Größe von Krapfen. 2 Liter Mineralwasser kosten 13 Pence und Tiefkühlpizzen sind da schon um 1 Pfund zu kriegen.

Die Universität
Kennt ihr das? Das Studium hat noch garnicht richtig begonnen und schon fühlt ihr euch im Rückstand? Der Stundenplan ist zwar sehr touristenfreundlich Donnterstag, Freitag, Samstag und Sonntag hab ich nämlich frei und könnte daher theoretisch England etwas näher erkunden aber praktisch haben wir soviel Arbeit vor uns, da bin ich froh wenn ich mal für einen Tag einen Sprung nach London schaffe.
Die Universitätsgebäude selbst sind aussen schon etwas heruntergekommen aber dafür ist Innen fast alles renoviert und schön hergerichtet.

The Hall
Das Studentenheim, ja… wie könnte ich das am besten beschreiben?  In einem Wort „England“…
Ein kleines Land wo es eng zugeht.
Die Wände sind sehr …sparsam gebaut so, dass ich sogar meine Nachbarin höre wenn sie einen Stecker in die Steckdose steckt.
Nochdazu hält sie sich aber für ein Gesangstalent und schmetterte mir RnB Songs zum besten gebend, entgegen. Um halb 2  hat sie endlich aufgehört. Nachts versteht sich…

Sie ist zwar eindeutig die schlimmste aber nicht die einzige musikalische Belästigung…
Neben der Hall stehen natürlich auch noch Häuser und deren Bewohner lassen ab und zu die Umgebung an ihren musikalischen Interessen teilhaben auf dessen Grundlage dann mir dieser Witz in den Sinn kam:

woran merkt man dass ein Inder an dir vorbei fährt?
„hakabaka they ha jahalacha ba HA hakabka they yuo ha oh lcha“
-geht um Liebe

woran merkt man dass ein Chinese an dir vorbei fährt?
„aka chibuy loanchan chinchan yikshan,ichi may oh yeah, oh kesha shi shei“
-geht um Liebe

woran merkt man dass ein Schwarzer an dir vorbei fährt?
„yo nigger, i kill you mother fucking nigger, i pop a bullet in your head and then you’re dead“
-geht um Nächstenliebe

last but not least der Unterricht…
In meiner ersten Unterrichtsstunde wo wir technische Hilfsmittel benötigten war spannend…
Wir haben eine Einführung in ein Flashprogram bekommen, wo ich schon 5 Jahre zuvor einen 2 wöchigen Workshop gemacht habe.
Es blieb zwar fast nichts hängen aber immerhin genug damit ich mich in der Einführung ordentlich gelangweilt habe. Die Bedienung des Macs hat mir mehr Kopfzerbrechen bereitet… „Rechtsklick, gibts das hier überhaupt?“ Noch dazu musste ich mit einem Mädchen zusammenarbeiten die mit dem Programm überhaupt nicht zurecht kam. Ich hab ihr die Übungsbeispiele an Hand von fortgeschritteneren Beispielen demonstriert, in dem ich statt eines Kreises ein Wort vergrößert, verschoben und transformiert habe. Leider hab ich den Fehler gemacht einen deutschen Satz zu verwenden: „Gute Nacht Freunde“

„hey are you from Germany?“ …umm no im from austria…
„what? but you speak german?!?“ …well yeah, why not…
„but you live in Austria?“…

….am Ende vom Gespräch kam raus dass ich 3 Sprachen spreche,

Englisch, Deutsch und Österreichisch

Österreichisch wird vorwiegend in einer kleinen Gegend namens Ostarrichi gesprochen und besteht aus nur 3 Buchstaben Öö Ää Üü. Das Alphabet ist dementsprechend sehr einfach zu erlernen, nur die Wortbildung ist extrem kompliziert und komplex. Daher wurde auch ein Hilfsbuchstabe eingeführt, das (stumme) h für Wörter wie zb.  äääääh oder häääää , je nach Reihenfolge kann das Wort also eine ganz andere Bedeutung bekommen.

Aber ganz ehrlich, mich hat sie wirklich erstaunt, dass sie die deutsche Sprache erkannt hat! Würdet ihr finnisch oder ungarisch erkennen?
(Ein bestimmer Orientierungsläufer möge sich hierzu keine Gedanken darüber  machen, ebensowenig wie über Grammatik-, Rechtschreib- und Satzbaufehler.)

Last but least,
das Halbtalent gibt nun wieder eine Hörprobe…
sagt mal, hat einer von euch die Addresse von Dieter Bohlen?

Southampton

•19. September 2009 • Schreibe einen Kommentar

Southampton ist eine Hafenstadt mit ca. 230.000 Einwohner. Das klingt jetzt gut aber auch nur in der Theorie, Southampton hat nämlich keinen eigenen Strand. Ausserdem kann ich hier wirklich keinem Empfehlen in dieser Brühe, das sich Wasser schimpft, schwimmen zu gehen.
Was Southampton vor gut 2.000 Jahren war ist es bis heute geblieben, einer der wichtigsten Hafenstädte von Großbritannien.

Um ca. 70 n.Chr haben die Römer hier einen Hafen für Winchester und Salisbury errichtet. Selbst nach der Invasion der Normannen um 1066 behielt sie den Status einer wichtigen Hafenstadt in England. Erst zu den Anfängen der Kolonialzeit änderte sich das und Southampton verlor stark an Bedeutung. Kurzfristig konnte es zwar zu einem beliebten Erholungsort mutieren aber verlor die Stellung rasch wieder an die nahgelegene Stadt Brighton. Mitte des 19. Jahrhunderts begann der Schiffsbau in Southampton zu florieren und es wurde zu einem der wichtigsten Industriezweige. Der Hafen expandierte wieder und die White Star Line verlegte ihren Sitz in die Stadt. Damit begann auch die Karriere von Leonardo DiCaprio. Denn ohne die White Star Line hätte er den Durchbruch wohl nie geschafft. Das berühmteste Schiff aller Zeiten (neben der Enterprise und dem Milenium Falcon) lag hier vor Anker. Richtig, die Titanic. Sie nahm hier auch die ersten und bekannterweise letzten Passagiere an Bord.

Titanic Museum

Das Titanic Museum

Ich bin jetzt nicht so ein Schiffsunglücksliebhaber aber für alle dies interessiert: Die Titanic gehörte zur Olympic-Klasse von denen insgesamt 3 Schiffe gebaut worden sind. Die Olympic (1935 abgewrackt), die Titanic (1912 untergegangen) und die Britannic (1916 untergegangen).

Damals, als mein Nachbar hier in Gefangenschaft war, hat Southampton einen ganz anderen Charme gehabt. Die Stadt wurde nämlich im 2.Weltkrieg  fast komplett niedergebombt. In den 1960er Jahren hat die britische Regierung ein Wiederaufbauprogramm eingeführt, in dessen Verlauf viele wirklich hässliche Betonklötze hochgezogen wurden. Teile der Innenstadt wurden restauriert bzw. so gut es ging repariert aber ab 1970 wurden die Investitionen gestoppt und bis 1990 gab es hier keine Veränderungen mehr. Erst ab 1990 wurde wieder vermehrt Geld in Bauprojekte gesteckt so dass Southampton ein sehr abstraktes Erscheinungsbild bietet.

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Ein typisches Erscheinungsbild der Stadt.

Aber es gibt auch ein paar (wenn auch wenige) schöne Plätze in der Stadt:

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In der Innenstadt, ca. 10min von meinem Studentenheim entfernt, liegt die Einkaufsmeile. Dort gibt es auch 3 Shoppingcenter die rund ~7 Minuten entfernt auseinander liegen und jede so groß ist wie die Milenium City in Wien.

Da tummeln sich auch wieder die allseits beliebten Spendeneintreiber. Allerdings sind die bei weitem nicht so agressiv/aktiv beim eintreiben wie in Wien. Wenn du offensichtlich kein Interesse hast dann lassen sie dich ohne „Wiederstand“ passieren. In Wien dagegen, da stellen sie sich teilweise noch extra in den Weg oder in den Türrahmen damit du nicht an ihnen vorbeikommst. Zuhause bin ich immer ein Opfer von denen, egal wo, die fischen mich raus, jedes einzelne Mal. Und wenn ich nicht spenden will, dann werd ich gleich im Anschluss (vorsicht Wortspiel) gefragt „Du bist doch kein Nazi oder?“
Hier dagegen ist das viel angenehmer, die kommen mir entgegen -Hi, I’m John- , ich darauf: „Hallo, ich bin Chris, wenn du schonmal da bist, kannst du mir sagen wie man zum Hafen kommt?“ und schon haben sie das Interesse verloren.
Nächstes Mal werde ich auf sie zugehen, ihnen wild gestikulieren dass ich sie nach dem Weg frage, während ich ihnen gleichzeitig auf Deutsch anbiete zu spenden.

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Der mittlere Teil der Einkaufsmeile

Das "West Quay" Einkaufscenter

Das "West Quay" Einkaufscenter

Last but not least, zu welchem Geschäft sollte man gehen wenn man „Black Forrest Meat“ (Schwarzwälderschinken) kaufen möchte?
Richtig, beim deutschen Feinkostladen um die Ecke.

Lidl

...sehr beliebt bei deutschen Studenten

Ankunft in Southampton

•17. September 2009 • Schreibe einen Kommentar

Pünktlich um 16:00 ist mein Flugzeug abgehoben und wie jedesmal beim Start, wenn das Flugzeug gerade die Nase hochhebt und in die Lüfte steigt, durchströmte mich ein Tsunami aus Endorphinen. Wenn ich dann nur ein paar Minuten später aus dem Fenster schaue und viele kleine Bäume, Autos und Häuser vorbeiziehen sehe, wünsche ich mir nichts sehnlicher als einen Fallschirm auf meinem Rücken und ein „offenes Fenster“ wo ich rausspringen kann, um frei zu sein…

Der Flug war bis zum Ärmelkanal sehr ruhig. Danach gab es ca. 6-8 Turbolenzwarnungen und der rege Transitverkehr, bestehend aus Mädchen einer Schulklasse, zur Toilette musste mehrmals unterbrochen werden. Der Grund warum alle Mädchen einer Klasse unbedingt auf dem Flugzeug aufs Klo gehen muss, bei einem gerade mal 2 Stundenflug  war, ist und wird mir für immer schleierhaft bleiben. Aber gut, in den ganzen Turbolenzen hatten wir anscheinend Rückenwind, denn wir setzten gut 15 Minuten zu früh für den Landeanflug an. Der Airbus durchtauchte die letzte Wolkendecke. In Gedanken begann ich erneut einen Fallschirmsprung und war auf der Stelle tot. Als ich endlich wieder freie Sicht auf den Boden hatte befanden wir uns nämlich nur noch in einer Höhe von gut 300 Metern. England hieß mich in seiner ganzen Pracht willkommen.

Richtig! Es hat geregnet und wie es geregnet hat. Selbst wenn man den Amazonas durchschwimmt wird man nicht so nass wie 5 Minuten in diesem  Regen zu stehen. Zum Glück war der Flughafen samt Bahnhof überdacht, die Winterjacke hat’s aber trotzdem gebracht.
Die Anreise mit dem Zug (London Gatwick – Southampton Central) war ziemlich ruhig und ereignislos.  Der Weg vom Bahnhof zum Studentenheim war dagegen mit Frustration und Muskelschwäche  gepflastert. Die Karte die ich von der Uni bekommen habe war nicht allzu genau gezeichnet und so hab ich mich ziemlich schnell verlaufen. Das ist mit 40 kg Gepäck doch nicht ganz so lustig.
Natürlich hab ich mich wie ein Idiot Mann verhalten und nicht nach dem Weg gefragt, nach 2 Stunden im Regen hab ich aber letztenendes doch ein Taxi genommen. Kostenpunkt rund 3,4 Pfund also ca. 4 €.

Im Studentenheim angekommen wurde ich ziemlich freundlich empfangen „Welcome at Home“. Nachdem alle Formalitäten erledigt waren konnte ich mein überschweres Gepäck endlich in meinem neuen Zimmer abstellen. Das Zimmer hat schon einige Jahre hintersich aber gut, dass will ich garnicht bemängeln, ich hab ja sogar mein eigenes Badezimmer. Das gleicht dafür aber umso mehr einer Todesfalle. Die Dusche liefert entweder heißes oder kaltes Wasser aber warmes Wasser kommt nur in den Überschneidungsphasen vor, die max. ca. 10-15 Sek. dauern.
Selbst Haarewaschen wird da zu einer haarsträubend langwierigen und ab und zu auch schmerzvollen Angelegenheit.

Jedenfalls zurück zu der mörderischen Komposition aus Wasser, Stahl, Putz und Porzellan. Der Rand des Duschbeckens ist überdurchschnittlich groß. Wenn ich also urplötzlich von der Dusche gebraten oder schockgefroren werde und ich versuchen würde dem zu entkommen dann würde  ich über den Rand stolpern derLänge nach hinfallen und mir den Hals auf der Toilettenschüssel brechen. Ein russisches Roulette für Warmduscher eben.

Lichttage, Urlaubstage, Krankentage, Feiertage und Zahltage…

•16. September 2009 • Schreibe einen Kommentar

Lichttage, Urlaubstage, Krankentage, Feiertage und Zahltage…

In meiner 1 monatigen Hobbykarriere als Patiententräger im AKH gab es ruhige Tage, da hatte ich 2-3 Stunden lang gar nichts zu tun, es gab anstrengende Tage, da hatte ich nicht einmal Zeit für eine 15minütige Mittagspause. Heute war es anders, es war Zahltag.

Um 7 Uhr morgens ging‘s los, die ersten Patienten kamen in den OP. Beim Abholen der Patienten wünschen sie sich (fast) immer viel Glück, toi, toi toi und ein Aufwiedersehen.

„Wirst sehn, in 30min sehn wir uns wieder“   „Hoffen wir‘s“

Ich hab den Patienten angelächelt und ihm gesagt, dass auch im AKH Wunder passieren. Er lächelte matt zurück und fragte mich ob er noch eine SMS schreiben darf bevor es losgeht.

„Solange sie im Bett bleiben und das Steuer nicht übernehmen, sicher“ Der Lift kam bevor er fertig war, im Lift und auf OP Ebene gibt es kaum Handyempfang. Er bestand aber darauf die SMS fertig zu schreiben „Nur noch die eine SMS“, wiederwillig ließ ich ihn. 15 Minuten später (Lifte sind im AKH sehr gefragt) kamen wir in den Warteraum für den OP. Ich hab ihm Alles Gute gewünscht und mich von ihm verabschiedet, routinemäßig, wie bei allen anderen Patienten eben.

14 Uhr  – …nichts mehr los, bis auf die netten Schwätzchen mit den Kollegen. Plötzlich donnern die Pagers los. Wir schauen in die Runde, wen hat‘s erwischt?

Zu meinem Glück waren‘s die zwei Notfallträger, der Ruf kam aber nur von einer Station. Einer ging los und rief die Station an während ich mich (arbeitsscheu …wie immer) erleichtert zurücklehnen konnte. Die Freude darüber war jedoch nur von sehr, sehr kurzer Dauer.

Der Notfallträger kam zurück „der Helikopter kommt in 10 Minuten“ schon war der andere auf den Beinen und sie machten sich auf den Weg zum Treffpunkt, der Lift zum Heliport.

Nichtstun außer die Augen ausruhen oder einem hochdramatischen Helikopteranflug in einem Kampf um Leben und Tod einen Stock höher beizuwohnen?

Dass wollte ich mir sicher nicht entgehen lassen, also bin ich kurzerhand mit den Zwei mitgegangen. 4 Schwestern, 2 Ärzte und 2 3 Träger sind also hoch zum Landeplatz. Nach ca. 8 Minuten kam dann der Helikopter. Wir warteten bis der Helikopter landete, dann sind wir auch schon losgerannt mit der Liege. Ein Träger vorn, einer hinten …und ich?

Seitlich natürlich.

Ich kam mir vor wie in einem Film und dementsprechend ziemlich bescheuert. Total nutzlos und trotzdem mittendrinn.
(Jetzt weiß ich wie sich die meisten Politiker fühlen müssen).

Eine Minute später war der Patient, der von einem Gerät reanimiert und von einem anderen beatmet wurde, auf der Liege und schon ging‘s  die Rampe runter zurück zum Lift. Im Lift, gab‘s dann das klassische „Briefing“  -Patient 60 Jahre alt, brach im Supermarkt zusammen und wird seit einer Stunde reanimiert – Eine Ebene tiefer haben wir ihn rausgeschoben, schnell durch die Wartehalle und rein in den OP.
Filmreif eben…

Und was passiert eigentlich nach dem Abspann? Liege desinfizieren und raus zu den Kollegen auf ein neues Schwätzchen oder eben Augen ausruhen und entspannen.

10 Minuten später war aber dann ich das Opfer des Pagers, ein Patient musste zurück auf seine Station gebracht werden. Oben angekommen, sah ich dann, dass er auf dasselbe Zimmer kam wie mein erster Patient von heute morgen, die Stelle wo sein Bett stand war aber leer.
Die Zimmergenossen wollten von mir wissen wann er denn jetzt endlich zurückkommt von der OP.

Als Träger erfährt man keine OP-Ergebnisse, also nicht wenn man direkt fragt. Mit einem „Wann soll ich denn den XYX vom Aufwachraum abholen?“ schon viel eher.

Die Operation ist an sich gut gelaufen, nur aus der Narkose aufgewacht ist der Patient leider nicht mehr. Nach einer eineinhalbstündigen Reanimation haben die Ärzte aufgegeben.

Wie gesagt, heute war Zahltag. Es passieren durchaus Wunder im AKH aber heute, …heute nicht. Heute blieben die Wunder für zwei Familien aus.

Für einen war es eine SMS, nur noch eine letzte,

Und für den Anderen vom Hubschrauber? 60 Jahre alt… nicht einmal das Pensionsalter erreicht, für das Wochenende eben noch schnell im Supermarkt einkaufen aber im Krankenhaus dann nicht mehr aufwachen.

16 Uhr – Die Schicht ist zu Ende, das ist Musik in meinen Ohren, wortwörtlich, denn erst da darf ich den iPod wieder aufdrehen. Das Wochenende steht vor der Tür, ich glaube da werde ich mir „Inglorious Bastards“ ansehen aber davor möchte ich noch diese Zeile zu Ende schreiben,

Nur noch diese eine letzte…